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Macken machen liebenswert…

Ich kenne die Antwort auf diese Frage nicht. Persönlich glaube ich aber, dass Macken eine bestehende Zuneigung noch intensivieren. Sie machen die Person nahbarer und erwecken Intimität. Marotten verbinden ungemein, denn viele von ihnen werden nur engen Mitmenschen offenbart. Je näher wir einen Menschen an uns heranlassen, desto mehr lassen wir unsere Vorsicht zurück und öffnen uns. Und erst zu diesem Zeitpunkt werden wir nachlässig und verschleiern unsere verrückten Angewohnheiten nicht mehr oder erlauben dem anderen, uns ganz und gar zu sehen, mit allen schrägen Eigenarten. So manche Macke von mir kennen nur meine engsten Vertrauten: Familie, Freunde, Partner. Denn hier fühlt man sich geschützt und akzeptiert, sodass man die Maske der Perfektion fallen lassen kann.

Doch der Übergang zwischen harmlosen Macken und Zwangshandlungen ist fließend. Ist es noch eine Macke oder schon eine Zwangshandlung, wenn man jeden Morgen rückwärts und nur mit einem bestimmten Lied durch die Haustür geht? Ist es schon krankhaft, wenn man nicht schlafen kann, ohne dass eine Flasche Wasser neben dem Bett steht? Wenn man den ganzen Weg von der Bahn zurück rennt, um zu kontrollieren, ob die Haustür auch wirklich abgeschlossen, der Kühlschrank zu und der Herd ausgeschaltet ist, ist dieses Verhalten dann noch normal?
Macken sind lustig – sowohl für einen selbst, als auch für andere. Sie verletzen niemanden oder schränken in der Autonomie nicht ein. Bei Zwangshandlungen hingegen besteht ein gewisser Leidensdruck, der Betroffene kann nicht anders und muss es tun. Macken hingegen lassen sich durch eigene Kontrolle und Beobachtung regulieren, wenn das Augenmerk darauf gelegt wird, könnte man es auch lassen. Man könnte normal durch die Haustür gehen, könnte auch ohne Wasserflasche schlafen, wenn es denn sein muss. Doch wenn man nicht zur Arbeit fahren kann, weil man jeden Tag wiederholt das Gefühl hat, etwas im Haushalt vergessen zu haben, dann ist das behandlungsbedürftig. Macken beherrschen niemals das eigene Leben!

Die eigenen Macken, oder die der liebsten muss und kann man zweifelsohne mit Humor nehmen. Ich für meinen Teil mache mich dann immer erst fertig, wenn mein Freund mich abholen wollte und erwähne in seiner Gegenwart niemals die Wörter "Lampe" oder "Teppich". Und er zieht mich im Gegenzug nicht mit meinem Tick auf, alle 10 Minuten meinen Labello aus der Tasche zu kramen. Herrlich ist es jedoch, den anderen gerade mit seinen Angewohnheiten zu nerven. Niemals habe ich so viel Spaß wie wenn ich während seiner Lieblingssoap quatsche und er genießt es dafür, meine Wimpern zu berühren, was ich wiederrum hasse. Macken sind doch das Salz in der Beziehungssuppe.


Mittwoch, 02.09.2009 | lsm
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