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Macken machen liebenswert…

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Es bringt mich um den Verstand, ich hasse es. Und trotzdem würde ich es vermissen, wenn es nicht da wäre. Die Macken und Marotten eines Partners machen ihn aus und zu dem, was wir an ihm mögen. Ich mag meinen Freund nicht trotz seiner Macken, sondern wegen ihnen.

Er kommt immer zu spät. Wenn er sagt, er holt mich um 10 Uhr ab, dann ist es halb 11. Er schläft mehr als ein Faultier und schnarcht dabei laut wie ein Sägewerk. Er guckt sich die blödesten Sendungen im Fernsehen an und  kann Tage damit verbringen, das Internet nach Lampen und Teppichen zu durchstöbern. Wenn er müde oder hungrig ist, dann wird er erst nervig und dann schlecht gelaunt. Mit all diesen schrägen Angewohnheiten treibt mich mein Freund jeden Tag in den Wahnsinn. Doch durch sie verlieb ich mich jeden Tag auf Neue in ihn – selbst wenn ich es niemals zugeben würde.

Marotten sind das, was einen Menschen vom anderen unterscheidet, denn sie zeichnen ihn aus. Und ein jeder von uns hat mindestens eine Macke, doch würden wir uns und Dritten diese niemals eingestehen. So bestreite ich es immer vehement, dass ich mir auf die Lippen beiße, wenn ich nachdenke und mein Freund behauptet ernsthaft, er hätte einen gesunden Schlafrythmus, auch wenn er am liebsten 20 Stunden vom Tag im Bett verbringen möchte. Doch wieso stehen Menschen nicht zu ihren Macken und Marotten? Denn wer gibt schon großmütig zu, dass er sich dauernd kleine Knoten in die Haare dreht, beständig mit den Füßen wippt oder nervös an den Nägeln kaut? Fast alle Menschen halten Macken für eine Schwäche, für eine Angewohnheit, die man nicht im Griff hat. Marotten sind Anzeichen oder Beweise für Unperfektheit, doch die ist nicht gewünscht in einer Welt, in der alles makellos sein soll.

Das Erstaunliche ist auch, dass die Akzeptanz von seltsamen Eigenarten an Sympathie geknüpft ist. Während wir darüber schmunzeln, wenn der Partner, die eigene Mutter oder beste Freundin beim Lachen grunzen wie ein frisch geborenes Schweinchen, so würden wir Menschen, die wir nicht kennen bzw. nicht mögen, in solchen Momenten am liebsten erschlagen. Je lieber wir einen Menschen demnach mögen, desto mehr tolerieren und schätzen wir seine Marotten. Doch mögen wir die Macken, weil wir den Menschen lieben oder lieben wir den Menschen aufgrund seiner Macken?

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