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Wer braucht schon Vollmond: Jekyll

Titelbild
Es muss schon irgendwie dringend sein, wenn sich Doktor Jackman extra eine Wohnung mietet und eine Assistentin einstellt, nur damit sie ihn auf einem Stuhl festschnallt und beobachtet. Die BBC-Serie „Jekyll“ transportiert die klassische Story von R. L. Stevenson in unsere Zeit. Das funktioniert erstaunlich gut.

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Gleich zu Beginn bereitet sich Dr. Tom Jackman (James Nesbitt) auf die kurz bevorstehende Verwandlung vor. Er unterweist seine neue Assistentin Katherine (Michelle Ryan)und schnallt sich selbst an einen Sicherheitsstuhl fest. Denn der Wissenschaftler leidet seit einiger Zeit unter Aussetzern, die nicht kontrollierbar sind, aber noch regelmäßig auftreten.

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Jackman hat keine Ahnung, was er in dieser Zeit treibt, findet sich aber immer in mehr oder minder peinlichen Situationen wieder. Doch es handelt sich nicht um Schizophrenie, sondern um eine vollständige Verwandlung in eine andere Person – und die ist ziemlich böse. Mit einem Diktiergerät versucht Tom mit seiner dunkeln Verwandlung in Kontakt zu treten, das interessiert Hyde allerdings herzlich wenig.

Die Assistentin Katherine soll gleichermaßen für beide Personifizierungen arbeiten und dabei halbwegs überparteilich sein, obwohl sie Jackmans dunkle Seite überhaupt nicht kennt. Es dauert dann auch nicht allzu lange, bis wir Mister Hyde dann kennenlernen, aber die erste Folge gehört Tom Jackman. Unterhaltsamer Weise beginnt die zweite Folge dann mit Hydes  Erlebnissen aus der selben Zeit.

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Jackman stellt nicht nur fest, das seine Hyde-Persönlichkeit zunehmend mehr Zeit im gemeinsamen Körper beansprucht, sondern muss sich auch noch vor seiner Ehefrau Claire (Gina Bellman) rechtfertigen, weil er dauernd verschwindet. Und dann wäre da noch dieser schwarze Lieferwagen, der Tom beschattet…

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Drehbuchautor Steve Moffat („Doctor Who“, „Coupling –Wer mit Wem“) ist Serienprofi und lange genug im Geschäft, um deutlich mehr als nur solides Handwerk abzuliefern. Die Idee einer modernen Fortschreibung des „Jekyll und Hyde“-Themas bestand schon länger, aber in Amerika wurde aus dem Projekt dann doch nichts.

Es gibt viele neue Aspekte an dem Klassiker und man begnügt sich nicht nur damit, einfach die Kulissen zu modernisieren, sondern gibt Doktor Jackman ein ganz normales Leben, das sich dann Schritt für Schritt in Wohlgefallen auflöst, je stärker der Hyde –Anteil wird. Spannend ist auch die Ausgestaltung des dunkeln Alter Ego, das durchaus charmant und humorvoll ist und, man höre und staune, lernfähig. Das ist psychologisch schon spannend anzusehen.

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„Jekyll“ ist, was Serienunterhaltung angeht, sehr gut inszeniert und die Spannung wir immer wieder von Humor kontrastiert. Es gibt kurzweilige Action und die Handlung ist komplex genug um glaubwürdig zu sein, immerhin ist Jackmann ja ein Nachkomme vom historischen Jekyll, auch wenn er das erst im Laufe der Serie erfährt.

Natürlich wird die Serie mit der Doppelrolle Jekyll/Hyde vor allem von James Nesbitt („Lang lebe Ned Devine“)getragen, und der Ire hat sichtlich Spaß an der Arbeit, doch die Figuren sind differenziert angelegt und die Besetzung agiert auf hohem Niveau.

Fazit: „Jekyll“ bringt als humorvolle Mystery-Serie frischen Wind in einen Klassiker und weiß niveauvoll zu unterhalten. Dabei hält „Jekyll" das hohe Niveau vieler BBC-Serienproduktionen und hierzulande darf man fernsehtechnisch schon ein bisschen neidisch werden.


Montag, 08.02.2010 | fs

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